Fußballfieber am GGI – Alexandra Popp zu Gast

Aufstehen, eine Runde mit dem Hund spazieren gehen, Frühstück und dann ab zum Trainingsgelände! Im Anschluss Kraftraum, Physio oder Spielformen – teilweise zwei Trainingseinheiten am Tag! Der Alltag von Profifußballerin Alexandra Popp vom VFL Wolfsburg ist streng getaktet, allerdings nicht an diesem Dienstagvormittag. Trotz vollem Terminplans nahm sie sich Zeit, um einigen Schülerinnen und Schülern des GGI einen etwas anderen Schultag zu ermöglichen.  

Stadionhalle, 11:30 Uhr: Überpünktlich und sichtlich entspannt betritt Alexandra Popp zusammen mit Herrn Meyer die Stadionhalle, in der sich schon einige Fußballerinnen und Fußballer des GGI, die Herr Ludwig im Vorfeld dieser kleinen Trainingseinheit kontaktiert hatte, warm machen. Während Alexandra gemeinsam mit Herrn Ludwig einige Übungen bespricht und selbst Hütchen in der Sporthalle verteilt, füllen sich die Ränge der Halle langsam ebenfalls mit einigen interessierten Schülerinnen und Schülern.

11:45 Uhr, Anpfiff „erste Halbzeit“: Nach kurzer Begrüßungsrunde schickt Alexandra die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler zu drei Warmlaufrunden durch dieHalle. Die anwesenden Sportlehrer staunen nicht schlecht, daanscheinend ein höheres Tempo als beim eigentlichen Sportunterricht an den Tag gelegt wird. Im Anschluss gemeinsames Aufwärmprogramm. Alexandra gibt die Übungen vor: Anversen, Kniehebelauf, Sidesteps, Offense/ Defense, Skipping – also alles dabei, um die Muskulatur in Schwung zu bringen. Danach ist Dribbeln durch die vorher aufgebauten Hütchen angesagt. Bevor die kleine Trainingseinheit mit einem Abschlussspiel endet, steht nach Torschuss mit Positionswechsel der Seite auf dem Programm. Die Zeit vergeht wie im Flug. Ob man Alexandra Popp bald als Trainerin sehen wird? Wie sie der Schülerschaft später noch verraten wird, sieht sie sich selbst vorerst nicht als Trainerin, auch wenn sie bereits eine Trainerlizenz für den Jugendbereich in der Tasche hat.  Laut eigener Aussage freut sie sich nach ihrer Karriere darauf, ihren Alltag und ihre Zeit selbst bestimmen zu können und keine festen Termine zu haben. Wohl wahr!   

Halbzeit! Die ersten Fotowünsche werden erfüllt und auch der Schülerblog bekommt ein kurzes „5 gefragt“ zum Thema Schule. Der anschließende „Seitenwechsel“ führte Alexandra umgehend in die Aula des Schulzentrums, in der die Jahrgänge 8 bis 11 schon warten. 

12:30 Uhr, Aula, Anpfiff „zweite Halbzeit“: Auf der Bühne wird sie von Merle Bugdoll (10.2) und Marla Pape (10.1) begrüßt, die einige fußballerische, aber auch persönliche Fragen vorbereitet haben. So berichtet Alexandra, geboren in Witten/ NRW, unter anderen über die Anfänge ihrer Profikarriere. Zu Beginn in reinen Jungs-Mannschaften aktiv macht sie früh Bekanntschaft mit belächelnden Blicken und Vorurteilen. Sie lernt sich durchzubeißen und wagt mit 17 den Schritt zum FCR 2001 Duisburg in die Frauenbundesliga. Zur Saison 2012/13 wechselt sie zum VFL Wolfsburg, mit dem sie einige Erfolge feiern konnte: 13mal Pokalsiegerin, sieben Mal deutsche Meisterin! Für sie selbst unvergessen das Match am letzten Spieltag der Saison ´13/14 um die deutsche Meisterschaft gegen den FFC Frankfurt, in dem sie kurz vor Schluss den Siegtreffer erzielte und so die Frankfurterinnen noch überholt werden konnten. Als ihren größten sportlichen Erfolg bezeichnet sie auf Nachfrage allerdings den Gewinn der Goldmedaille mit der Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Gerade für die Zeit in der Nationalmannschaft, die sie seit 2019 auch als Kapitänin auf das Spielfeld führte, sei sie sehr dankbar, da sie viele Länder und Kulturen kennenlernen durfte. Fast schon wehmütig wird sie, als sie ihr letztes Länderspiel als den emotionalsten Moment ihrer Karriere bezeichnet – in Duisburg, wo alles begann. Ein Stück Fußballromantik! 

Auf die Frage, was die größte Herausforderung in ihrer Profikarriere gewesen sei, antwortet sie ehrlich „Prioritäten setzen, um etwas zu erreichen“. Freunde und Familie wurden vernachlässigt und nicht jeder Geburtstag konnte mitgefeiert werden, doch die Gemeinschaft innerhalb des jeweiligen Teams sowie sportliche Erfolge, relativierten persönliche Entbehrungen. Daneben erachtet sie es immer wieder als anstrengend, ihren Alltag nicht in der Form selbst bestimmen zu können. 

Auch sportliche Rückschläge wurden angesprochen. Ein Knorpelschaden im Knie brachte sie ins Grübeln mit ihrer Fußballkarriere aufzuhören, da sie nicht absehen konnte, inwieweit dieser ihre weitere Karriere beeinflussen wird. Auf Niederlagen reagiert sie, lachend, recht unterschiedlich. „Man lernt dadurch“, gab sie der interessiert zuhörenden Schülerschaft mit. Wichtig seien Analyse, Selbstkritik, Reflexion und regelmäßiges Training. Dinge, die sicherlich auch Gehör bei so manchen Anwesenden finden dürften. Daneben sei es wichtig, den Fußballalltag auch mal gänzlich links liegen zu lassen. Andere Sportarten, wie Padel, Tennis oder Beachvolleyball, gehören, laut ihr, neben Aktivitäten mit Freunden, Kinobesuchen oder einfach mal einem Couch-Tag mit Netflix genauso zum Entspannungsprogramm wie Spaziergänge mit ihrem Hund in der Natur. 

Alexandra, jetzt 33 Jahre alt, gibt ehrlicherweise zu, dass sie den derzeitigen Generationenwechsel im Frauenfußball tolerieren muss und es neben ehemaligen Trainern (vor allem ihrem ersten Trainer), Trainerinnen (v. a. Martina Voss-Tecklenburg) und Mitspielerinnen (wie z. B. Inka Grings) nun auch jüngere Spielerinnen seien, die ihre fußballerische Karriere prägen.

Sexismus in der Branche sei laut ihr „bis heute spürbar“, doch appelliert sie entschlossen an den „Zusammenhalt der Mädels“ untereinander. Auch das Thema Equal Pay wurde angesprochen. „Es muss nicht gleich sein“, sagt Alexandra, die sehr realistisch einordnet, dass Fußball auch aus Angebot und Nachfrage besteht und der Frauenfußball (leider) immer noch nicht über die Zuschauerzahlen und Sponsorengelder verfügt, wie es beispielsweise bei den Männern der Fall ist. Vielmehr erhofft sie sich, dass sich die infrastrukturellen Rahmenbedingungen im Frauenfußball angleichen. Ein Mindestlohn für Fußballerinnen wäre für Alexandra, die selbst gelernte Zootierpflegerin ist, ein Schritt in die richtige Richtung. 

Mädchen, die vielleicht selbst einmal Profi werden wollen, empfiehlt sie, den „Spaß an der Sache (zu) behalten“, allerdings reicht alleiniges Talent an einem gewissen Punkt laut ihr nicht aus und man dann etwas mehr machen müsse als der Rest. Wichtig sei es auch, sich konkrete zu Ziele zu setzen.

Am Ende gab es noch die ein oder andere Frage aus dem Publikum. Etwas schmunzeln musste sie bei der Frage, inwieweit sie mit dem Ranking ihrer FIFA-Skills zufrieden sei. Da sie lange als Abwehrspielerin oder defensive Sechserposition gespielt habe, sei sie mit ihrem defensiven Ranking nicht ganz einverstanden, sagte sie mit einem Lächeln.

13:15 Uhr, Aula, „Nachspielzeit“: Geduldig und nahbar nimmt sich Alexandra im Anschluss Zeit für die Schülerinnen und Schüler des GGI, erfüllt Autogramm- und Fotowünsche und führt hier und da etwas Smalltalk. Auch die jüngeren Jahrgänge nutzen nach Schulschluss die Gelegenheit, die ein oder andere Erinnerung zu ergattern. Überall zufriedene Gesichter! Abpfiff!!!

Im Namen der Schülerschaft (und sicher auch Lehrerschaft) danken wir Alexandra Popp für ihren Besuch am GGI und wünschen ihr für den Rest der Saison sowie ihrer weiteren Profikarriere alles Gute und sportlichen, aber auch privaten, Erfolg! 

Ein besonderer Dank gilt Herrn Meyer, der (auch trotz vollen Terminplans) die Organisation des Besuchs übernommen hat! Ebenso danken wir dem Team des Kreismedienzentrums, die Bild und Ton mit ihrem Equipment festgehalten haben und deren Unterstützer an der Seitenlinie, in Person von Bennet und Hannes aus Jahrgang 11, durch das Hin- und Herlaufen ebenfalls ordentlich Meter gemacht haben dürften. 

Dank gilt auch zwei ehemaligen Schülern des GGI: Herr Hendrik Hoppenworth, der den Kontakt zu Alexandra Popp vermittelt hat und einem (bewusst) namentlich nicht genannten „Freund und Unterstützer“ unserer Schule, der den Besuch überhaupt erst möglich gemacht hat!

Bilder und Copyright: Medienzentrum Landkreis Peine

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