„Werte & Normen“                   -        Was ist das?

 
A. Erläuterungen für die Sekundarstufe I
 
Wenn du dir etwas wünschst, wirst du von dir aus alles tun, was dazu beitragen könnte, dass dein Wunsch in Erfüllung geht.
Hängt die Erfüllung deines Wunsches von Personen ab, wirst du diese für dich und deinen Wunsch zu gewinnen versuchen. Umstände, die dir hinderlich sind, wirst du nach Möglichkeit verändern.
Diese Überlegungen und die sich daraus ergebenden Regeln, die dein Verhalten gegenüber Personen und Umständen bestimmen, kann man als NORMEN bezeich-nen, deinen Wunsch – das Ziel deines Handelns – als WERT.
 
Andere Menschen haben andere Wünsche / Werte und dementsprechend andere Verhaltensweisen / Normen als du. Es gibt aber sicher auch Werte, die mehrere Menschen übereinstimmend anstreben: den Frieden zum Beispiel.
Hier siehst du, dass gleiche Werte nicht unbedingt gleiche Normen voraussetzen: Manche wollen den Frieden erkämpfen – mit der Waffe in der Hand. Andere folgen der christlichen Norm der Feindesliebe und lassen sich lieber selbst verwunden oder töten als anderen Gewalt anzutun.
Während nun längst nicht alle, die sich Christen nennen, Pazifisten (d.h. Friedfertige) sind und dieser von Jesus aufgestellten Regel gehorchen, geraten die anderen, die Friedens“kämpfer“, ebenfalls in Schwierigkeiten:  Ihre Norm widerspricht offensicht-lich ihrem Wert, auch wenn sie das meist mit dem Argument überspielen: „Dies’ eine Mal müssen wir noch zuschlagen, damit endlich Ruhe einkehren kann!“
 
Es scheint das Los der Menschen zu sein, mit solchen Konflikten leben zu müssen. Denn Widersprüche entstehen ständig, auch zwischen unterschiedlichen Werten: „Sollte ich in die Schule gehen (Wert Bildung) oder lieber weiterschlafen (Wert Erholung)?“  Und so müssen wir uns schließlich fragen, welche Werte denn nun mehr wert sind als andere…
 
Im Unterricht WERTE & NORMEN erfahren wir von diesen Dingen, können aber die Konflikte und Widersprüche nicht immer auflösen.
Während die Mathematiker 2 und 2 zusammenzählen und sicher sind, dass immer 4 herauskommt, oder eine Übersetzung aus der Fremdsprache richtig oder falsch sein kann, ist das auf „unserem Gebiet“ oft nicht so klar.
Wir können Normen aufstellen für Konfliktfälle. Wir können bereits aufgestellte Normen kennen lernen und ihre Auswirkungen betrachten. Aber ihre Anwendung müssen wir jedem selbst überlassen.
 
Die Verantwortung für sein Handeln muss jeder selbst tragen, er muss es Betroffenen gegenüber begründen und rechtfertigen können. „Verantwortung übernehmen“ ist wiederum ein Wert. Und unser Unterricht zielt darauf ab, dir das klar zu machen und dich dazu zu ermutigen.
 
Nehmen wie einmal an, du kommst als Autofahrer durch ein Dorf und siehst auf der gegenüber liegenden Straßenseite eine „Radarfalle“ der Polizei. Solltest du, musst du gar die entgegenkommenden Fahrer nun mit der Lichthupe warnen oder nicht?
Spiele in Gedanken die Möglichkeiten durch, indem du auf die Werte und Normen achtest, die dabei ins Spiel kommen. Du gewinnst dann eine Vorstellung von der Vielfalt der Fragen, mit denen wir uns im Unterricht beschäftigen.
 
Ohne vollständig sein zu wollen, zählen wir weitere Themen auf:
 
  • Welchen Einfluss hat die Fernsehwerbung auf meine Wünsche und Werte?
  • Muss ich mich nach Gesetzen richten, oder richten sich die Gesetze nach mir?
  • Arbeite ich um zu leben, oder lebe ich um zu arbeiten?
  • Wie nutze ich, was mir gehört, und wozu dürfen mich andere benutzen?
  • Wer gehört dazu, und wer ist fremd? Und sind Fremde nicht lästig?
  • Wie gehe ich mit Armen, Schwachen, Behinderten um?
  • Wer bin ich eigentlich? Und wer oder was macht mich zu dem, was ich bin?
  • Gibt es ein Ziel, einen Sinn im Leben? Und was kommt danach?
  • Glaube – Aberglaube – Unglaube: Wer hat mir da `reinzureden?
 
B. Werte & Normen in der Qualifikationsphase
 
Unterricht in „Werte & Normen“ ist kein „Fach“ im herkömmlichen Sinne. Er soll vielmehr die Sichtweisen mehrerer Schulfächer berücksichtigen und zueinander in Beziehung setzen, sie relativieren und erweitern.
Er knüpft daher fächerübergreifend an Inhalte des Deutsch- und Literaturunterrichts, der Religion, der Politik, der Naturwissenschaften und der Philosophie an. Er stützt sich auf Ergebnisse der Religionswissenschaft, der Gesellschaftswissenschaften, der Naturwissenschaften und nimmt die Programmatik und das Handeln der politi-schen Parteien in den Blick, d.h. liberale, christliche, konservative und sozialistische Denktraditionen.
 
Im Verlauf der Oberstufe werden die folgenden vier Themenfelder exemplarisch bearbeitet:
 
1. Die Frage nach dem Menschen (Anthropologie)
  • Individuum und Gesellschaft
  • Mann und Frau
  • Sonderstellung des Menschen im Reich der Lebewesen
  • Persönliche Entscheidungs-Freiheit (?)
  • Glück und Leid
 
2. Die Frage nach dem richtigen Handeln (Ethik)
  • Umgang mit Wissenschaft und Technik
  • Umgang mit der Natur
  • Soziale Gerechtigkeit
  • Gerechtigkeit im Verhältnis der Geschlechter
 
3. Die Frage nach der Wahrheit (Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie)
  • Geist und Materie
  • Was ist Wirklichkeit?
  • Wahrheit und Lüge
  • Was ist Zeit?
  • Wozu das alles?
 
4. Die Frage nach der richtigen Ordnung (Soziologie)
  • Legitimation von (politischer) Herrschaft
  • Ziele von Gemeinschaften und Staaten
  • Utopien
  • Staat und Religion
  • Wirtschaftsordnung

 

 

 

 

Bezugswissenschaften
 
(B1)           religiös-weltanschaulicher Bereich
(B2)           philosophischer Bereich
(B3)           gesellschaftswissenschaftlicher Bereich
(B4)           Naturwissenschaften
  
Kompetenzbereiche
 
(K1)          Wahrnehmen und Beschreiben
Gegenstand: Lebenswirklichkeit, Begriffe, Regeln.
(K2)          Verstehen und Reflektieren
Gegenstand: Entfalten von Fallbeispielen, Erkennen von moralischer Relevanz
(K3)          Diskutieren und Urteilen
Gegenstand: Regeln für Diskussion und Argumentation, Relativierung und Perspektivwechsel
 
 
Lehrbücher
 
(C5/6)             Cornelsen-Verlag:       Ethik Kl. 5/6    (an der Schule eingeführt)
(V5/6)             Volk und Wissen:         Ich bin gefragt   Kl. 5/6